Ortsteil von Schladen-Werla
Ortsteil von Schladen-Werla
Isingerode
Isingerode   

Geschichte Isingerode

Nachfolgend sehen Sie eine Auswahl von Bildern aus der Zeit der Grenzöffnung im Oktober 1990 zwischen Göddeckenrode und Isingerode, sowie der Einweihung des Erinnerungssteines im Okt. 2000. Die Fotos sind von Albert Woile. Die alten Dias habe ich gescannt und aufbereitet, sehen Sie uns deshalb die Qualität nach. Es gibt noch viele Fotos von Treffen in den beiden Orten, auf denen Menschen bei Feiern  zu sehen sind. Bei Interesse bitte melden.

Bild anklicken vergrößert.

Wir versuchen, Zeitzeugen aus den Jahren nach dem 2. Weltkrieg über das Geschehen in Isingerode berichten zu lassen.

Hannelore Timpe hat für die Zeitung der ev. Kirchengemeinde Hornburg/Isingerode das folgende Interview gefertigt und auch das Foto bereitgestellt.

Gesichter unserer Gemeinde: Albert und Johanna Woile

 

 Das Gespräch führte Hannelore Timpe

Es ist Zeit, in unserem Gemeindebrief ein Isingeröder Gesicht vorzustellen. Genauer gesagt zwei Gesichter, denn es handelt sich um das Ehepaar Albert und Johanna Woile. Johanna Woile, vielen besser bekannt als „Hannchen“ Woile, lebt schon seit 1949 in Isingerode.  Ihr Mann Albert Woile, geboren in Kl. Flöthe, zog mit der Eheschließung im Jahr 1958 ins Dorf und verbrachte sein Berufsleben als kaufmännischer Angestellter in Braunschweig. In Isingerode wohnen beide in ihrem gepflegten Heim mit großem Garten. Sie fühlen sich wohl hier im Ort, umgeben von netten Nachbarn, und berichten im Interview, dass sie nie woanders leben wollten. Auch nach weiten Reisen stand ihnen nie der Sinn – zwar unternahmen sie ab und an mal eine Busreise und 1975 waren sie auch mal auf Mallorca, aber zu Hause sei es doch am schönsten. Dabei hätten sie alle Möglichkeiten gehabt, besonders weil zwei der vier Brüder von Frau Woile viele Jahre im Ausland lebten und arbeiteten und das Ehepaar deshalb Einladungen nach Australien, Korea, Uruguay oder Ägypten bekam.

 

Johanna Woiles Kindheitserinnerungen sind Erinnerungen an Flucht und Vertreibung. 1945 musste sie im Alter von 10 Jahren mit Großmutter, Mutter und Brüdern ihr Elternhaus in Wehrau in Niederschlesien verlassen. Sie erinnert sich an den Angriff auf Dresden am Ende des Zweite Weltkriegs. Als sie dort am Bahnhof den Zug verlassen mussten, sahen sie die Flammen. Ihre Flucht endete zunächst im heutigen Tschechien, von dort ging es zu Fuß zurück nach Schlesien in ihr Elternhaus. „Wo sollten wir denn hin?“ fragt Frau Woile. Sie erinnert sich an den Hunger, zu Essen gab es Pilze oder was man so fand. Im Winter erlegte ihr Bruder einmal einen kapitalen Hirsch, der Fleisch lieferte. Ihre russisch sprechende Großmutter habe sie bei Plünderungen vor dem Schlimmsten bewahrt.  Sie erinnert sich an eine Übernachtung während der Flucht im Wald, als sie vom Schnee überrascht wurden und ihr Hund, den sie zu Hause zurücklassen mussten, plötzlich auftauchte und sie ihn dann einschläfern mussten, weil man einen Hund doch nicht mitnehmen konnte.

 

Durch einen Bruder ihres Vaters, den es nach Schladen verschlagen hatte, kam die Familie dann schließlich über das Rote Kreuz nach Isingerode. Dort wohnte sie zunächst zusammen mit anderen Flüchtlingsfamilien in einer Baracke, bevor man ihnen eine andere Unterkunft zuwies. Frau Woile ging zunächst noch etwa ein halbes Jahr zur Schule und dann „in Stellung“ im Haushalt bei Familie Lüttgau. Eberhard Lüttgau sorgte dann dafür, so erzählt Frau Woile, dass für die Flüchtlinge Einfamilienhäuser gebaut wurden. In so einem Haus wohnen die beiden bis heute. Lüttgau, so betonen beide immer wieder, sei ein Segen für unser Dorf gewesen, er habe sich immer eingesetzt und viel getan für Isingerode. Lüttgau war ja auch Vorsitzender des Sing- und Kulturkreises, in dem praktisch jeder Dorfbewohner Mitglied war. Johanna Woile war 18 Jahre Kassiererin des Vereins. Der Verein habe das Dorfleben entscheidend geprägt, so die beiden, die sich auch gerne an die vielen Dorffeste und Feiern erinnern. „Und alle waren dabei“, so Albert Woile, „der Zusammenhalt im Dorf war schon noch größer“. Zu der Zeit engagierte auch er sich sehr im Dorf. Als Chronist fotografierte er bei allen Veranstaltungen und so es gab mehrere Diaabende für die Dorfbewohner. Jetzt sollen die vielen hundert Dias digitalisiert werden, damit nichts verloren geht.

 

Das Ehepaar Woile hat zwei Kinder und zwei Enkeltöchter. Sohn und Schwiegertochter wohnen mit im Haus und übernehmen jetzt die Pflege des großen Gartens. Bei aller Zufriedenheit mit ihrem Leben in Isingerode üben beide am Schluss des Gesprächs noch etwas Kritik: Der Isingeröder Friedhof sei in keinem guten Zustand. Sie würden dort öfter mal zufassen und Laub harken oder Gießkannen schrubben.

 

Johanna Woile ist erst vor wenigen Jahren vom Katholizismus zum evangelischen Glauben übergetreten, wie sie sagt, ihrem Mann zuliebe. Woiles freuen sich, wenn in Isingerode ein Gottesdienst stattfindet und bedauern es sehr, dass sie beim nächsten Gottesdienst an Pfingsten wegen eines Familientreffens nicht da sein werden.

Isingerode   (aus Wikipedia entnommen am 02.05.2017 – leicht geändert)

Koordinaten: 52° 1′ 19″ N, 10° 34′ 25″ O |

Isingerode

Gemeinde Schladen-Werla

 

Höhe:

95 m

Einwohner:

331 (30.Jun. 2015) 1

Eingemeindung:

1. März 1974

Eingemeindet nach:

Schladen

Postleitzahl:

38315

Vorwahl:

05335

Isingerode ist ein Ortsteil der Gemeinde Schladen-Werla. Der Ort hat gegenwärtig 331 Einwohner (Stand 2015). Zahlen, Daten und Fakten aus der Gemeinde Schladen-Werla, abgerufen am 24. Oktober 2015.

Geographie

Isingerode liegt etwa zwei Kilometer östlich von Schladen, rund 2,5 km westsüd-westlich von Hornburg und etwa 20 km südlich der Kreisstadt Wolfenbüttel. Durch das Dorf verläuft der Eckergraben, ein künstlicher Seitenarm der Ecker, der um den nördlich des Dorfes gelegenen Kiesteich herumgeleitet wird und dann in die Oker mündet. Der ältere Teil Isingerodes liegt östlich des Eckergrabens, während sich westlich des Grabens hauptsächlich Gebäude befinden, die nach dem 19. Jahr-hundert gebaut worden sind. Unmittelbar nördlich am Dorf vorbei führt im Abschnitt Schladen–Hornburg die Bundesstraße 82.

Geschichte

Die bisher (2014) noch nicht abgeschlossenen archäologischen Ausgrabungen an der „Schwedenschanze Isingerode“, einem früheren Burgwall, begannen im Jahre 2006. Seine Geschichte reicht von der jüngeren Bronzezeit um 1200 v. Chr. bis in die späte Eisenzeit um Christi Geburt.

Bis zum 1. August 1941 gehörte Isingerode zum Landkreis Wernigerode. Im Zuge der Neuordnung des Salzgitter-Gebietes wurde sie zusammen mit Hornburg, Roklum und dem Vorwerk Tempelhof dem braunschweigschen Landkreis Wolfenbüttel zugeordnet.

Am 1. März 1974 wurde Isingerode in die Gemeinde Schladen eingegliedert. Mit der Umwandlung der Samtgemeinde Schladen in eine Einheitsgemeinde am 1. November 2013 wurde der Ort ein Ortsteil der Gemeinde Schladen-Werla.

 

 

 

Geschichte Ortsteil Isingerode

Isingerode liegt am Eckergraben, der in früheren Zeiten gebaut wurde. Er diente dazu, die Felder, insbesondere die Wiesen im Steinfeld zu bewässern. Die Ecker entspringt im Brockengebiet und mündet in Wiedelah in die Oker; kurz vorher wird durch ein Rohr eine bestimmte Wassermenge in den Eckergraben geleitet. Am Eckergraben entwickelten sich 4 Dörfer, so auch Isingerode. Außerdem trieb der Eckergraben 6 Wassermühlen an, die inzwischen aber stillgelegt sind. Er mündet dann hinter der Steinfeldermühle ebenfalls in die Oker.

In einer Urkunde von Kaiser Friedrich I. (Barbarossa) 1188 wurde Isingerode erwähnt. Eine frühere Erwähnung in einer Urkunde Heinrich II. 1013 muss noch überprüft werden.

Isingerode war immer eng mit Hornburg verbunden. Der Ort hatte nie eine eigene Kirche, sondern gehörte zur evangelischen Kirchengemeinde in Hornburg. Nach dem Krieg wurde in Hornburg auch eine katholische Kirche gebaut, die auch für Isingerode zuständig ist.

Die Domäne Hornburg hatte ein großes Vorwerk in Isingerode, um ihre Ackerflächen in diesem Gebiet günstiger bewirtschaften zu können.

Auch der Friedhof von Isingerode lag direkt vor den Mauern der Stadt Hornburg. In den Jahren 1959 - 1963 wurde in Isingerode ein neuer Friedhof mit Kapelle angelegt. Dies ist eine sehr schöne Anlage geworden.

Außerdem verband Isingerode die gemeinsame Zugehörigkeit zum Kreis Wernigerode mit Hornburg. 1941 wurden beide Orte in den Kreis Wolfenbüttel verlegt. 1945 erwies sich dies als Glücksfall, da Isingerode so nicht russisch besetzt wurde.

Nach dem Krieg hat sich Isingerode sehr gut entwickelt. Zu den vor dem Krieg gebauten 27 Wohnhäusern wurden ca. 80 weitere gebaut. Die Einwohnerzahl stieg von 160 in 1939 auf etwa 400 im Jahr 1974.

An Gewerbebetrieben gibt es zurzeit 1 Fenster- und Türenfabrik, 1 Kieswerk (zwei weitere sind inzwischen stillgelegt), 1 Malerwerkstatt, 1 Viehhandel, eine Gaststätte. Außerdem gibt es noch 2 Landwirtschaftsbetriebe. Versorgungsgeschäfte gibt es nicht. Man ist auf die zahlreichen Geschäfte in Schladen und Hornburg angewiesen.

Die Schüler gehen in Hornburg zur Grundschule und dann in Schladen zur Hauptschule mit Realschulabschluss. Höhere Schulen werden in Wolfenbüttel besucht. Die Kinder können die Kindergärten in Schladen besuchen. Es gibt gute Busverbindungen.

Am 1. März 1974 verlor Isingerode seine Selbstständigkeit und wurde als Ortsteil in die Gemeinde Schladen eingemeindet. Die Verwaltung übernahm die Samtgemeinde, die in Schladen ihren Sitz hat.

 

Schilderung von Eberhard Lüttgau    ca. 2010                                       aus der Internetseite der Gemeine Schladen-Werla

Gewerbe in Isingerode im Jahr 2017: Landwirt Ostermeyer, Landwirt Timpe, Restaurant Itschenkrug, Fenster und Türen Fischer,

Maler Bernsee, Tierärztin Schweer, Möbel für Technik, Harzer Treppen, Magier Mr. Lu. Desweiteren gibt es eine Übersetzerin für Schwedisch und einen Kfz-Meister. Soweit bekannt, sind die Internetanbindungen unter "Links" zu finden.

4. August 2016                    Anzeigenblatt        S.6+7

Ein bedeutungsvoller Gebietsaustausch vor 75 Jahren: Nach der Salzgitter - Verordnung wurden Hornburg,

Isingerode und Roklum braunschweigisch, Hessen und Pabstorf preußisch

Am 1. August 1941 erfolgte ein weitreichender und bedeutungsvoller Gebietsaustausch am Rande des „Großen Bruchs“: Nach einer Zugehörigkeit von über 600 Jahren zum Lande Braunschweig wechselte Hessen (heute Landkreis Harz) vom Landkreis Wolfenbüttel in den Landkreis Wernigerode. Pabstorf, von denen einige Ortsteile preußisch, andere braunschweigisch gewesen sind, wurde dem Landkreis Oschersleben zugeschlagen. Das halberstädtische Dorf Roklum, die Kleinstadt Hornburg und der Nachbarort Isingerode kamen vom Kreis Wernigerode zum Landkreis Wolfenbüttel. Die 1395 urkundlich erwähnte Gaststätte „Zur Weinschenke“ in Hessen weist auf enge Verbindungen zum Braunschweiger Land hin; denn sie gehörte dem braunschweigischen Herzog. Das früher stark in Richtung Halberstadt und Wernigerode ausgerichtete Dorf Roklum gehörte einst dem Dompropst in Halberstadt, bis 1932 zum Landkreis Halberstadt und kam dann mit Hornburg und Isingerode in den Kreis Wernigerode. Die  Hornburger Burg ist einst  eine halberstädtische Bischofsburg gewesen.

Blicken wir auf etwas mehr als 75 Jahre zurück: Im Sommer 1937 wurden zur Ausbeutung geringer Eisenerze im Salzgitter - Gebiet die Reichswerke AG geplant. Der Sitz dieser Aktiengesellschaft wurde im Juni 1941 von Berlin nach Salzgitter verlegt. Am 6. Oktober 1937 richtete die Baustellenleitung ein Büro in der Watenstedter Gaststätte Lochte ein. Der Bau der Anlagen des Hüttenwerkes und zahlreicher Wohnsiedlungen wurde eilig vorangetrieben. Zuerst sah die Planung Siedlungen für 250 000 Menschen vor, dann für 135 000. Im Jahre 1938 lief der Hüttenbau auf vollen Touren. Straßen, Schienenwege und ein Stichkanal zum Mittellandkanal wurden angelegt. Am 10. März 1938 erfolgte der erste Spatenstich für Hochofen 1, am 5. April 1938 für Walzwerk 1. 

Bald wurde das Salzgitter - Gesetz, die Verordnung über Gebietsbereinigungen im Raume der Hermann – Göring - Werke Salzgitter, geschaffen. (Generalfeldmarschall Göring war ein NSDAP- Politiker). Das Gesetz trat mit dem Ziel in Kraft, neben der ländlichen Neuordnung und Flurbereinigung (territorialen Arrondierung) der Grenzen des Freistaates Braunschweig und Preußen die Voraussetzungen für den Ausbau dieser Hüttenwerke zu schaffen. Die Rüstung in Deutschland ging unaufhaltsam weiter. Hermann Göring benötigte dringend Stahl für den sinnlosen Krieg.

Die Stahlwerke (Reichswerke Hermann - Göring - Werke genannt) benötigten nämlich dringend die auf preußischem Gebiet liegenden Brunnenfelder bei Hornburg für die werkseigene Wasserversorgung. Zwischen Börßum, Heiningen, Werlaburgdorf, Schladen und Hornburg liegt ein großes unterirdisches Wasserreservoir. Hier  treffen die Urstromtäler von Ilse und Oker zusammen. „In dieses unterirdische Wasserreservoir wurden 1939 unter der Leitung des Geologen Johannes Weigelt aus Halle in sehr kurzer Zeit 88 Brunnen niedergebracht. Die 60 Meter tiefen Brunnen sind mit Unterwasserpumpen ausgestattet“, informierte Dipl.-Ing. Heinz Löbermann, in Börßum wohnender ehemaliger Betriebsleiter für die Wasserversorgung der Hüttenwerke. Denn für die Stahlherstellung sind enorme Mengen Wasser für Hochöfen und Walzstraßen nötig. Zusätzlich benötigten die aus ganz Deutschland angesiedelten Hüttenarbeiter Trinkwasser. Parallel zum Bau der Reichswerke wurde im Versorgungsgebiet ein 280 Kilometer langes und weitverzweigtes Rohrleitungsnetz verlegt. Dazu gehörten und gehören immer noch zwei Betondruck- Rohrleitungen mit einem Innendurchmesser von 1,20 Meter.

Im Februar 1940 wurde in diesem Zusammenhang die WEVG (Wasser- und Energieversorgungs- Gesellschaft) gegründet. Aufgabe der neuen Gesellschaft mit Sitz in Watenstedt (später Salzgitter-Watenstedt) war es, die Wasser- und Energieversorgung aufzubauen. In der „Verordnung über Gebietsbereinigungen im Raume der Hermann – Göring- Werke Salzgitter“ vom 25. Juni 1941 heißt es genau: Auf Grund des Artikels 5 des Gesetzes über den Neuaufbau des Reiches vom 30. Januar 1934 wird im Einvernehmen mit dem Beauftragten für den Vierjahresplan verordnet.

§1. In das Land Braunschweig werden folgende bisher preußische Gebietsteile eingegliedert: … 4. aus dem Landkreis Wernigerode (Regierungsbezirk Magdeburg) die Gemeinde Hornburg, Isingerode, Roklum; sie werden in den Landkreis Wolfenbüttel eingegliedert

§ 2. In das Land Preußen werden folgende bisher braunschweigische Gebietsteile eingegliedert: … 2. in den Regierungsbezirk Magdeburg a) aus dem Landkreis Wolfenbüttel die Gemeinde Hessen; sie wird in den Landkreis Wernigerode eingegliedert; b) die Gemeinde Pabstorf, soweit in ihr bisher vom Lande Braunschweig Hoheitsrechte ausgeübt worden sind; sie wird insoweit in den Landkreis Oschersleben eingegliedert.§ 8. Diese Verordnung tritt am 1. August 1941 in Kraft. Berlin, den 25. Juni 1941. Der Reichsminister des Innern Frick. Salzgitter wurde in diesem Zusammenhang im April 1942 kreisfreie Stadt.

Hornburg mit seinen weitreichenden Brunnenfeldern, Isingerode und Roklum kamen nach dem II. Weltkrieg zur britischen Westzone, Hessen und Pabstorf dagegen gehörten der Sowjetzone an. In der „Chronik der Volksschule Roklum, Kr. Halberstadt“, wird auf Seite 52 vermerkt: „19.7.41 Schluss des Schuljahres 1940/41. 1. 8. 41 Übergang der Gemeinde Roklum und damit der Schule in den Kreis Wolfenbüttel.“

Während der Grenzziehung kam es allerdings zu Unstimmigkeiten über den Grenzverlauf. Hierüber berichtet der ehemalige Wolfenbütteler Vermessungsingenieur Dieter Kertscher im Wolfenbütteler Heimatbuch 2010. Kertscher geht auf die „Lebenserinnerungen von Professor Dr. Johannes Nittinger“ ein. Er war von 1939 bis 1949 Leiter des preußischen Neuvermessungsamtes Wolfenbüttel und mit der vermessungstechnischen Betreuung beim Aufbau der Hüttenwerke betraut. Demnach konnten Mitarbeiter des Neuvermessungsamtes in Zusammenarbeit mit dem damaligen Hornburger Bürgermeister Adolf Lamprecht am Kriegsende 1945 Russen südlich der Kleinstadt Hornburg  stoppen.

Auf im Umlauf vorhandenen Karten war Hornburg noch als preußisch dargestellt. Britische Fahrzeuge fuhren in Richtung Süden und markierten mit Schildern den Verlauf der Grenze.

Im gleichen Heimatbuch berichtet die Hornburger Heimatpflegerin Dr. Sibylle Heise in „Hornburg – eine Stadt an der Grenze“ über die Situation auf dem Hornburger  Gutshof: „Sicherheitshalber lagen unter den Betten aller Familienmitglieder gepackte Rucksäcke, so war eine eventuelle Flucht vor den Russen vorbereitet. Die Situation spitzte sich zu, als auf dem Gutshof britische Soldaten hölzerne Grenzschilder hergestellt hatten, ... Groß war die Erleichterung, als die Soldaten sich in südliche und östliche, nicht nördliche Richtung bewegten, das bedeutete nämlich, dass Hornburg unter britische Besatzung verbleiben würde und die Rucksäcke wieder ausgepackt werden konnten.“

An anderer Stelle („DER SPIEGEL“, 16. 7. 1973. Bericht Grenzkommission. Hier Graniza“) entdeckte ich folgendes: „Auf der Chaussee zwischen Hornburg und Rhoden tippte der Sowjetoffizier beharrlich auf seine Generalstabskarte: Er wollte nicht wahrhaben, dass der Plan nicht mehr stimmte. Vergeblich versuchten Briten und Deutsche ihm klarzumachen, dass das Dorf Rhoden zu Preußen, die Stadt Hornburg dagegen seit ein paar Jahren schon zum Land Braunschweig gehöre.

Schließlich zeigte Hornburgs Bürgermeister Lamprecht auf zwei Apfelbäume: Den da, Herr Kommandant, hat der Bürgermeister von Rhoden verpachtet. Diesen hier habe ich verpachtet. Also muss hier die Grenze sein. Da verstand der Kommandant, rollte sein Blatt ein und befahl: Gutt, dann hier Graniza.“ Das soll im August 1945 gewesen sein.

 Ähnliches ist aus Roklum bekannt. Hier steckten russischen Soldaten auf dem „Neinstedter Feld“ nördlich vor Roklum bereits Grenzpflöcke in den Acker und wurden schnell aufgeklärt, dass Roklum braunschweigisch geworden ist. Tagebuchnotizen einer Hessener Bürgerin weisen ebenfalls auf  Verwirrungen der Besatzungsmächte hin. Folgendes hat Hilde Wagenführ vermerkt: 11. April 1945. 9.45 Uhr fuhren amerikanische Panzer in Hessen ein. 28. Mai 1945: Englische Besatzung. 1. Juli 1945: Ab 12 Uhr russisches Besatzungsgebiet. Die Brunnenfelder bei Hornburg, der Bau der Salzgitter-Hüttenwerke und die  Salzgitter – Verordnung vom 1. August 1941 sorgten dafür, dass die Geschichte der Fachwerkstadt Hornburg und der oben erwähnten Dörfer in dieser Zeit ganz anders verlaufen ist.  

                       

Bernd-Uwe Meyer