Ortsteil von Schladen-Werla
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Isingerode
Isingerode   

Über die Ausgrabungsarbeiten

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Der Burgwall von lsingerode

Ein erster auszugsweiser Bericht über die Ausgrabung von Pfingsten 2006

bis zum 26. Oktober 2006 von Oberkustos Wolf-Dieter Steinmetz

 

Der Burgwall von lsingerode ist heute im Gelände kaum noch erkennbar.

Er ist durch Pflugtätigkeit und natürliche Erosion in vergangenen Jahrhun-

derten in erheblichem Maße abgetragen worden. Die Wehranlage wurde

erstmals im Urkataster von 1899 als archäologische Anlage mit entsprechender

Signatur erwähnt und mit Beischrift ,,Schwedenschanze" versehen. Zu dieser Zeit

dürfte der Wall noch wesentlich höher vorhanden gewesen sein.

Schriftüberlieferungen, Chroniken oder Urkunden, die über die Befesti-

gung berichten, gibt es nicht. Altere Luftbilder aus dem Jahre 1938 ließen

zumindest die ehemalige Topographie und Ausdehnung des Befesti-

gungsringes erkennen. Danach handelt es sich jedenfalls auf gar keinen

Fall um eine Schanze des Dreißigjährigen Krieges, wie es der Name

vermuten lässt.

 

Eine Erforschung von Alter und Funktion, aber auch von Bauweise der

Wehranlagen und der ehemaligen lnnenbebauung sowie schließlich

einer ldentifikation der Bauherren war deshalb nur durch archäologische

Ausgrabungen möglich. Solche wurden seit dem Frühjahr 2006 vom

Verein "Freunde der Archäologie im Braunschweigerland“ (FABL e. V.)

unter der wissenschaftlichen Leitung des Braunschweigischen Landes-

museums durchgeführt. Seit Pfingsten wurden dabei in freiwilliger,

ehrenamtlicher Wochenendarbeit und bisweilen auch in der Woche 44

Grabungstage von den Mitgliedern des Vereins geleistet.

Anwesend waren je nach Voraussetzungen zwischen 3 und 20 Helfer.

 

Der bisherige Verlauf dieser Untersuchungen und die dabei erzielten

Ergebnisse ermöglichen erste interessante historische Aussagen.

Ergänzt wurden die Ausgrabungen durch eine Luftbildbefliegung sowie

eine Geomagnetmessung der Fachhochschule Berlin.

 

Bisher erreichter Forschungsstand

 

Nach nunmehr gut 5 Monaten forschender Ausgrabungstätigkeit ist

nachgewiesen, dass die Anlage während dreier Siedlungsphasen

genutzt wurde, die

1. in die jüngere Bronzezeit etwa 1200- 900 v. Chr.

2. an dem Übergang von der späten Bronzezeit zur frühen Eisenzeit

(um 700 v. Chr.)

und nach einer längeren Unterbrechung von fast 700 Jahren

3. in die späte Eisenzeit (von 30/20 v. Chr. - 50/60 nach Chr.)

datiert werden können.

 

Aufbau und Geschichte des inneren Grabens sind weitgehend erkannt.

Erste Befunde zum bronzezeitlichen Wallaufbau und seine Periodi-

sierung sowie zur lnnenbebauung und der dortigen Erhaltung der

Siedlungsschichten sind gemacht. Erste konkrete lnterpretationen zu

Funktion und historischer Stellung der drei zu unterscheidenden

Siedlungsphasen werden damit möglich.

 

Historische Topographie

 

Die Auswertung alter Geländekarten und der alten und neuen Luftbilder,

schließlich eine aktuelle Magnetprospektion aus diesem Jahr ermög-

lichen eine Rekonstruktion der ursprünglichen Topographie, die

seitdem durch einen Kiesabbau in den früheren Jahren wesentlich

verändert wurde. Danach hat die Steilkante zur Oker-Ecker-Niederung

deutlich weiter im Westen gelegen. Etwa ein Drittel der Anlage ist

dadurch zerstört, ein weiteres Drittel befindet sich heute unter Wald. Die

Befestigung hat sich auf dem höchsten Punkt der Hochfläche an diesen

Steilhang angelehnt. lm Norden und Süden wurde sie von Querein-

schnitten in den Hang begrenzt. Die natürlichen Gegebenheiten

wurden also strategisch genutzt, ohne dass dadurch die Verkehrs-

anbindung verloren ging.

 

Die im Grundriss rundovale Befestigungslinie nahm ursprünglich eine

Fläche von etwa 140 x 200 m ein. Die Anlage hatte einen doppelten

Wehrgraben, hinter dem eine Holz-Erde-Mauer oder auch eine

WaIIpaIisaden-Konstruktion vorauszusetzen ist, wie Wallreste zeigen.

 

Über das zeitliche Verhältnis der beiden Gräben zueinander kann ohne

weitere archäologische Untersuchung nichts ausgesagt werden. lm

Nordosten der Befestigung ist im äußeren Wehrgraben ein Tordurchlass

von gut 6 m Breite mit lnnenkonstruktion erkennbar. Vor dem Tor zeigen

die massiven Befunde der Magnetmessungen deutliche Spuren einer

Aussensiedlung, die sich nach Ausweis der oberflächigen Fundstreu-

ungen im Acker weit darüber hinaus auf den gesamten Bereich nördlich

und östlich der Befestigungslinien ausdehnen.

 

Die Lage der Befestigung und die Ausrichtung des Tores nehmen

deutlichen Bezug auf den uralten, vermutlich schon seit der Steinzeit

genutzten Ost-West-Fernweg, der die wichtigen Furten bei Schladen

über die Okerniederung und bei Homburg über die llseniederung

verbindet.

 

Ein befestigtes Handelszentrum

 

Jüngere Bronzezeit 1200/1100 - 900 v. Chr. und Übergang zur

Eisenzeit um 700 v. Chr.

 

Die archäologischen Untersuchungen des Jahres 2006 haben

zusammengefasst eine Siedlungs- und Befestigungsphase der jüngeren

Bronzezeit nachgewiesen. Dabei ist der genaue Siedlungsbeginn in der

Zeit zwischen 1200 und 1100 v. Chr. zu datieren. Aufgrund des

Fundmaterials ist eine genauere Anfangsdatierung nicht möglich. Die

starken Befestigungsanlagen mit doppeltem Grabensystem, die dichte

lnnenbesiedlung, der Nachweis einer offenbar ausgedehnten

Aussensiedlung und die hervorragende verkehrsgeographische Lage

stellen den Burgwall von lsingerode zu den großen Zentralsiedlungen,

wie sie im Rahmen des weiträumigen Rohstoffhandels der

Bronzetechnologie in ganz Mitteleuropa seit dem 13. Jahrhundert vor

Chr. an den Knotenpunkten der überregionalen Fernwege entstanden

sind.

Sie waren Umschlagplätze des Fernhandels, erfüllten regionale

Marktfunktion, waren Zentren des Handwerks und politische Vororte.

Diese fast stadtartigen Siedlungen waren Mittelpunkt einer ansonsten

bäuerlich geprägten Umwelt von vielen kleinen Dörfern.

 

Der Burgwall von lsingerode lag an der Westgrenze eines Kultur-

gebietes, welches sich vom Okertal bis zur Elbe-Saale-Linie erstreckte.

Damit ergibt sich für unsere Anlage zusätzlich die Funktion einer

Grenzfestung nach Westen.

 

Weitreichende Handelsbeziehungen werden in lsingerode durch die

Tonscherben importierter Keramik nachgewiesen. So stammen

Gefäßfragmente z. B. aus Süddeutschland und aus Ungarn.

 

Die erste Besiedlungsphase dauerte etwa 200 - 300 Jahre. Mindestens

4 Brandhorizonte verweisen auf eine äußerst wechselhafte Geschichte.

Für etwa 200 Jahre scheint die Besiedlung nach Ausweis der Funde

sogar unterbrochen gewesen zu sein, um schließlich irgendwann nach

700 v. Chr. in einer großen Brandkatastrophe endgültig unterzugehen:

Ausbruch der Auseinandersetzung regionaler Fürsten um die Kontrolle

über die ertragreichen Handelswege.

 

Befestigtes germanisches Dorf

 

Späte Eisenzeit - von 30 vor Chr. – 10/20 nach Chr.

 

Nach einer Siedlungsunterbrechung von fast 700 Jahren wurde die

sicherlich schon weitgehend verfallene Befestigungsanlage wieder

instand gesetzt. Germanen der späten Eisenzeit nutzten die strategisch

und verkehrsgeographischen Vorteile des Platzes und die Standort-

vorteile durch die alten Anlagen. Vergleichsobjekte wie in der Bronzezeit,

können hier nicht herangezogen werden, da Befestigungen der späten

Eisenzeit in der Germania libra nahezu unbekannt sind.

 

Das macht den Befund von lsingerode so spektakulär und deswegen

wurde er erst so spät während der Grabung erkannt. Die germanischen

Scherben in der Füllung des vermeintlichen bronzezeitlichen Grabens

wurden lange für den Niederschlag einer unbefestigten Dorfsiedlung

gehalten.

 

Über die genaue Funktion dieser Anlage kann zur Zeit noch wenig

gesagt werden, zumal der zugehörige Laufhorizont bereits

unwiederbringlich vom Pflug abgetragen ist. Auffällig ist aber, dass die in

die Zeit der Germanenkriege zwischen 12 v. Chr. und 16 n. Chr. fällt, als

die Römer versuchten, den Limes an die Elbe vorzuverlegen.

 

Wiederum ermöglichen die Tonscherben nicht nur die genaue Datierung,

sie erlauben auch eine Zuweisung der Befestigung in ein konkretes

Kulturgebiet, hier den Südelbgermanischen Kreis. Dieser kann mit dem

Stamm der Hermunduren identifiziert werden.

 

Schlusswort

 

Am Ende dieser ersten Grabungssaison ist das wesentliche Geheimnis

des Burgwalles von lsingerode gelöst - sein Alter. Erkenntnisse konnten

für die Landesgeschichte gewonnen werden. Viele Fragen wurden

allerdings damit neu aufgeworfen. Sie sollen im nächsten Jahr

angegangen werden. Dank des großzügigen Entgegenkommens der

Grundbesitzerfamilie Meyer aus Hornburg ist die Fortsetzung unserer

Ausgrabungen im nächsten Jahr gesichert. Am 6. April 2007,10:00 Uhr

geht es weiter.

 

Nach den Ergebnissen dieser Grabungssaison werden wir die

Bezeichnung, “Schwedenschanze" nicht mehr gebrauchen, da sie dem

geschichtlichen Hintergrund der Anlage nicht entspricht. Mittlerweile hat

sich die Bezeichnung "lsiburg" im allgemeinen Sprachgebrauch

durchgesetzt, die wir zunächst auch gebrauchen werden.

 

26. Oktober 2006 gez. Wolf-Dieter Steinmetz

 

Wir lsingeröder sind sehr erfreut, dass unser Drängen, durch eine

Ausgrabung Klarheit über die Geschichte der "Schwedenschanze" zu

erreichen, Erfolg hatte und die Ausgrabung schon im ersten Jahr solch

unerwartete und spektakuläre Erkenntnisse gebracht hat.

 

Wir danken Herrn Oberkustos Wolf-Dieter Steinmetz ganz herzlich für

seine lnitiative und seinen enormen Einsatz und wünschen ihm bei den

weiteren Ausgrabungen, auch in unserem lnteresse, recht viele neue

und interessante Erkenntnisse. Unser ganz besonderer Dank gilt Frau

Steinmetz und ihrem Verein  "Freunde, der Archäologie im

Braunschweiger Land FABL e.V."  Was die Mannschaft in

ehrenamtlicher Arbeit ohne jede Bezahlung an über 40 Wochenenden

und Feiertagen bei Hitze und Regen geleistet hat, ist ganz toll und kann

nur bewundert werden. Wir freuen uns schon auf die weiteren Ausgra-

bungen und werden sie weiter mit viel lnteresse begleiten

 

 

08. Mai 2007 Eberhard Lüttgau  - Altbürgermeister von lsingerode

Hochinteressante Berichte und Bilder finden Sie auf diesen Web-Seiten:

 

http://www.gabriele-uhlmann.de/luftbildarchaeologie.htm   und

http://www.fabl.de/isingerode.htm